Er kennt sie alle. Ihre Schwächen. Ihre Macken. Ihre Schäden. Mehr als 10.000 Handys und Tablets aller Hersteller hat Benyamin Budak bereits repariert. Die einen waren in die Toilette gefallen und voll Wasser gelaufen, andere auf den Boden geknallt und zersplittert. „Am häufigsten sind Display- und Glasschäden“, erklärt der 38-Jährige. „Spider App“ nennen es Spötter, wenn sich die Bruchlinien wie dünne Fäden eines Netzes quer über den Monitor ziehen. Spätestens dann sind die Telefone ein Fall für das „Smartphone Hospital“, wie Benyamin Busak sein Geschäft in der Neustraße 32 genannt hat. Innerhalb eines Tages „verarztet“ der gebürtige Aramäer, der im Alter von zehn Jahren nach Deutschland kam, dort alle gängigen Modelle. Dabei hat sich der Chef sein Spezialwissen größtenteils selbst beigebracht. „Es gibt bei der IHK nicht einmal eine Berufsbezeichnung für das was ich mache“, meint der 38-Jährige. Den Kunden ist es egal. „Hauptsache, Sie können die Daten retten“, so der am öftesten gehörte Auftrag. Meistens klappt es. Wie im Fall eines Bocholters, der im St.-Agnes-Hospital die Geburt seines Kindes fotografiert hatte, und dem das Handy auf dem Weg nach Hause auf den Boden fiel. Nichts ging mehr. Doch zum Glück war noch ein Zugriff auf den Speicher möglich. Völlig aufgelöst kam ein Geschäftsmann ins „Smartphone Hospital“. Er hatte sein Smartphone vor dem Einsteigen ins Auto auf dem Dach abgelegt und vergessen. Beim Zurücksetzen fiel das Gerät zwischen die Räder und wurde überrollt. Auch hier half nur eine Blitz-Operation. Aber wie schafft man es, bei diesem Wust an Herstellern und Modellen den Überblick zu behalten? „Man muss vielseitig und flexibel sein“, erklärt Benyamin Budak. Und das ist der 38-Jährige, der unter anderem sechs Sprachen spricht. Deshalb bietet er neben Reparaturen auch Hardwareaustausch, Neu- und Gebrauchtgeräte sowie jede Menge Zubehör an. Das Geschäftsmodell funktioniert. So hat der Bocholter inzwischen Filialen in Essen und Borken eröffnet. Das Potenzial ist riesig. Denn, so erklärt der Experte: „Die meisten Menschen wissen nicht einmal, dass man ihr Handy reparieren kann. Viele werfen es bei einem Schaden einfach weg.“